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Zwei Hühnerkinder

Es waren zwei Hühnerkinder,
sie Huhn und er der Hahn.
Die konnten zusammen nicht kommen
dazwischen die Autobahn.
„Herzliebster kannst du nicht fliegen?
Mein Hähnrich komm rüber zu mir!“
So lockte das Hühnchen den Hahn,
für ihn wurd es langsam zum Wahn,
wär nur nicht die doofe Bahn.
Stück weiter, da war eine Brücke,
auch hier in der Nähe ein Stall,
da hausten nur blutjunge Küken
war jeden Abend Krawall.
Das blieb dem Hahn nicht verborgen,
ging mal zu schaun nach der Brück.
Von da ab war er verloren
und kehrte nie mehr zurück!




Zuletzt kommt das Jetzt!

Wurdest in die Welt gesetzt
und durchs Leben gehetzt.
Warst vorgesetzt
und hattest Berge versetzt.
Warst mit vielen vernetzt
und hast manche Position besetzt.
Nach mehr gelechzt
und Klingen gewetzt.
Dabei Träume zerfetzt
und Menschen verletzt.
Was blieb Dir zuletzt?
Du wurdest ersetzt!
Das hast Du Jetzt!

Hans Köster (1944) im Juli 2011





Die „Graue Maus“

Eine kleine „Graue Maus“
hielt es nicht mehr aus zu Haus.
Wollt hinaus, wie andre eben
und mal richtig was erleben.
Putz sich raus ganz fürchterlich,
wie es aussieht stört sie nicht.
Als sie gekrochen aus dem Loch,
gab es draußen erst mal Zoff.
Die Alten gemütlich in der Abendstund,
saßen und aßen vor des Loches Mund,
bekamen nicht mehr zu den Schlund,
als sie sah`n wie ordinär,
ihre Kleine läuft daher.
Die eigne Tochter, welch Blamage,
brachte sie alsbald in Rage,

der alte Bock im grau Gewand,
er seine Welt nicht mehr verstand
und auch die Frau des alten Bock
erlitt gleich einen Nervenschock.
„Wo wills du so denn jetzt noch hin?“
der Alte ruft stützend auf nen Pinn
und auch die Alte nur noch lallte:
„Geh wieder bloß ins Haus
und zieh die blöden Brocken aus!“
Die Göre immer frech wie Rotz,
jetzt erst mal so richtig motzt:
„Ihr Grufties könnt mich allemal,
ich hau gezz ab zu meinem Karl!“
Ach Gott, zu Dem!“ die Mutter spricht,
verbirgt zudem ihr Angesicht,

„Karl? Zu welchem Karl?“
der Alte wollt´s wissen, das zweitemal.
„Ach, dieser Karl Knolle, gerade Der,
keiner weiß wo kommt der her!
Dem geb ich doch mein Kind nicht her!
Ein Schuft! Ein Weiberheld en Gros,
bei dem wirst du des Lebens nicht froh!“
Die Alte sprichts im barschem Ton,
die Göre hat entfernt sich schon.
Nicht weit in einem Schrebergarten,
zwischen Schaufel und Spaten,
ließ sie Knollenkarl auf sich warten.


Hans Köster (1944) im August 2011


Beim Fensterln

Auf des Leiters steiler Sprosse,
stieg höchst gewichtiger Genosse,
um zu holen sich nen Kuss,
plötzlich fiel ihm ein, er muss.
Was jetzt tun? Sprach er für sich,
drückte ihn was fürchterlich
in der Hose nebenbei,
dachte was ne Sauerei.
An der Leiter End ganz oben,
die Liebste in Erwartung lobend,
am unteren Ende ein rettend Gebüsch,
entscheiden für Eines die Zeit reichte nicht.
Und wie er noch zweifelt
und strampelt zugleich,
wird an der Leiter die Sprosse weich.
Es knackt, man fällt,
fast wie ein Schuss,
es kam so wie es kommen muss,
nichts war mehr mit dem Leiterkuss
und auch nichts mehr mit Hochgenuss,
vorbei des Knaben Lustgefühl,
auch in der Hose jetzt recht kühl.

Hans Köster (1944) im August 2011

Sehnsucht

Mir ist´s, als rufe mich das Meer,
komm her, komm her,
komm, eile geschwind
mit Wogen und Wind.
War´st lange nicht hier
bei Sturm und Braus,
hält keine Seele so lange aus.
Nur noch drei Wochen, steht´s geschrieben,
wir da sind, wo´s die Friesen lieben,
auf unserer Insel mit weißem Strand,
ein ganzes Stück von Westerland.
In Hörnums Süden, an der Odde Tal,
hier waren wir beim ersten Mal
und wollen es auch diesmal halten,
so wie sie´s immer tun die Alten.

Schon ist´s als rieche ich das Meer,
nach Brack und auch nach schwarzem Teer,
steh mit den Füßen verträumt im Priel
und schau zu den Muscheln im Wellenspiel.
Es riecht nach Korn, Bier, Wein und Fisch im Rauch,
und Kohldampf habe ich jetzt auch.

Hans Köster (1944) im August 2011